Logo3.png

Allerheiligen

1. NOVEMBER

Grauer Novembertag, Ausschlafen, unzählige rote Lichter, Laub, Stille, geschmückte Gräber, Stau vor Friedhöfen: Es ist wieder einmal Allerheiligen … Aller… was?

 

Im katholischen Religionsunterricht lädt der Lehrer die Kinder ein, Heilige zu zeichnen. Ein Kind zeichnet eine kleine Frau mit einem weiß-blauen Sari und lässt den Lehrer raten, welche Heilige sie meint. Dieser schreibt an die Tafel „Mutter Teresa“. Ein anderes Kind zeichnet den Heiligen Nikolaus mit Mütze und Stab. Der Lehrer erklärt den Kindern, dass Heilige Personen sind, die aus einer besonders innigen Beziehung mit Jesus heraus lebten und gute Werke getan haben. Ein Bub zeichnet eine alte Frau mit weißen Haaren, einem Buch in der Hand, Strickzeug neben sich. „Kennen sie diese Heilige?“ fragt er den Lehrer. Dieser errät es nicht. Da erklärt ihm der Bub: „Das ist meine Oma. Die war immer für alle Menschen da. Uns hat sie immer Geschichten vorgelesen, wenn uns langweilig war. Für die Flüchtlinge hat sie Socken gestrickt und mit den Kindern Deutsch gelernt. Den Opa hat sie bis zu seinem Tod gepflegt und jeden Tag in der Früh hat sie zu Jesus gebetet, dass er ihr zeigt, für wen sie heute speziell etwas Gutes tun kann. Bei ihrem Begräbnis haben viele Leute gemeint, dass die Oma sicher sofort bei Gott im Himmel angekommen ist.“ Der Lehrer schreibt daraufhin auch den Namen der Oma auf die Liste der Heiligen auf die Tafel.

In frühchristlichen Schriften werden alle Christinnen und Christen als „Heilige“ bezeichnet. Bald wurde dieser Titel jedoch nur noch für Menschen verwendet, die besonders vorbildlich lebten, einen sehr starken Glauben hatten, bereits verstorben waren und bei denen man davon ausging, dass sie deshalb bei Gott im Himmel sind. Oft gilt für ihre Heiligkeit ein auf ihre Fürsprache gewirktes Wunder als Beweis (Heilung eines Menschen usw.).

Das katholische Fest Allerheiligen gedenkt all jener Heiligen, welche keinen eigenen Feiertag haben. Es soll aber auch daran erinnern, dass prinzipiell alle Christinnen und Christen durch ihre Taufe zu einem Leben als Heilige/r berufen sind, das heißt zu einem Leben nach dem Vorbild Jesu. Wie die Oma in der Geschichte, die ganz konkret Nächstenliebe und Gottesbeziehung lebte. Die Heiligen führen uns vor Augen, dass der Tod keinen Endpunkt bedeutet: Nach ihm kommt die Auferstehung und ein Leben ganz bei Gott im Himmel.

Der Allerheiligentag wird, wie auch der darauffolgende Allerseelentag, traditionell vor allem dafür genutzt, um mit der Familie die Gräber verstorbener Verwandter zu besuchen. Mitbedingt durch das oftmals graue Novemberwetter liegt über diesem Totenfest meist eine melancholische Stimmung, obwohl es eigentlich theologisch ein Freudenfest ist und eng mit Ostern und dem Glauben an die Auferstehung der Toten in Verbindung steht: „Niemand ist lebendiger, als ein toter Heiliger.“ (Fulton Sheen)

Evangelische ChristInnen gedenken ihrer Toten am Ewigkeitssonntag, dem letzten Sonntag im Kirchenjahr.

 

Interreligiöser Fact: Viele Religionen kennen Menschen, die durch ihre Lebensweise und ihre besondere Verbindung mit Gott, anderen nach ihrem Tod als Vorbilder gelten.

Ebenso sind Grabstätten oder Reliquienschreine in fast allen Traditionen wichtige Orte und es gibt Feste, wie z.B. das Zuckerfest im Islam, an denen es üblich ist der Toten zu gedenken und gegebenenfalls auch ihre Gräber zu besuchen.

 

KJÖ, BH