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Fronleichnam

20. JUNI

Menschen, die ein Stück Brot feierlich durch die Straßen tragen? Es sieht ziemlich verrückt aus, was an Fronleichnam geschieht. Aber es gibt genug Anlass zum Feiern. Denn Gott ist in diesem Brot mitten in der Welt mit den Menschen unterwegs.

 

In vielen Kulturen ist Essen etwas Wichtiges und hat eine besondere Bedeutung. Wir teilen unseren Tag nach Mahlzeiten ein. Beim Essen kommen wir als Familie zusammen. Bei gemeinsamen Mahlzeiten werden Vereinbarungen und Verträge geschlossen. Es gibt kein Fest ohne Festmahl. Ob Begrüßung oder Abschied, Hochzeit oder Begräbnis, Geburtstag oder Besuch… Wenn man geschäftlich etwas Wichtiges besprechen will oder ein Freund uns etwas Persönliches sagen will – dann trifft man sich zu einer Mahlzeit.

Auch das Fronleichnamsfest beruht auf einem Essen. Jesus verabschiedete sich von seinen engsten Freunden im Rahmen eines gemeinsamen Essens (Gründonnerstag). Bei diesem Essen nahm er das Brot, brach es in Stücke und gab es seinen Freunden. Auch einen Becher mit Wein gab er allen zum Trinken. Und er erklärte, dass das Brot für seinen Leib und der Wein für sein Blut steht – und trug seinen Freunden auf, das nach seinem Abschied immer wieder in Erinnerung an ihn zu tun. Jesus wies damit schon auf seinen bevorstehenden Tod hin (Karfreitag). Jesus starb, aber er blieb nicht tot, sondern ist auferstanden (Ostern). Nach Jesu Auferstehung begannen sich seine Freunde zu treffen und sich beim gemeinsamen Essen an Jesus zu erinnern.

Bis heute sind das Brot, das gebrochen und an alle ausgeteilt wird und der Becher mit Wein sehr wichtig in den christlichen Gottesdiensten. Denn der gestorbene und auferstandene Jesus will den Menschen in diesem besonderen Brot und in diesem besonderen Wein ganz nahe sein. Während des Gottesdienstes wird das Brot in den Leib und der Wein in das Blut Jesu verwandelt, indem der Priester die Worte spricht, die Jesus damals bei seinem Abschiedsessen gesprochen hat. Das ist keine Magie, sondern Gott selbst handelt hier – auch wenn man es von außen nicht sehen kann, denn das Brot sieht weiter wie Brot aus und schmeckt auch so und gleiches gilt für den Wein (Transsubstantiation).

Dieses Handeln Gottes und die Anwesenheit des lebendigen Jesus in diesem Brot und Wein ist ein großer Grund zur Freude. Deshalb tragen katholische Christen Jesus, der in diesem besonderen Brot gegenwärtig ist, an Fronleichnam durch die Straßen. Der Name des Festes hat nichts mit Leichen zu tun, sondern kommt von den mittelhochdeutschen Wörter „licham“ (das heißt: „Körper“) und „fron“ (das heißt: „Herr“). Es geht also um den Leib des Herrn, also um Jesus. Offiziell heißt das Fest „Hochfest des Leibes und Blutes Christi“ und findet immer zehn Tage nach Pfingsten und damit 60 Tage nach Ostern statt.

An diesem Fest findet der Gottesdienst nicht nur in der Kirche statt, sondern alle GottesdienstteilnehmerInnen gehen in einer großen Prozession durch die Straßen oder Felder. Dazu werden die Straßen oft besonders mit Blumen oder Zweigen geschmückt. Im vordersten Teil der Prozession geht der Priester mit einem goldenen Gefäß, in dem das Brot, also Jesus, getragen und angebetet wird. Hinter ihm gehen die Gläubigen her, beten und singen Lieder. So gehen sie mit Jesus durch die Straßen, durch die sie jeden Tag zur Schule oder Arbeit gehen, und feiern Gottes Gegenwart mitten in der Welt.

 

Fact: Die Prozessionen sind je nach Region sehr unterschiedlich. In Dörfern geht es über Feldwege, in Städten durch die Straßen der Innenstadt oder des Stadtviertels. Oft steht hinter der Route eine lange Tradition. Und an manchen Orten gibt es sogar Prozessionen mit Pferden oder Schiffen.

KJÖ, ES