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Karfreitag

19. APRIL

Der Tod eines Freundes reißt ein tiefes Loch in unser Leben. Am Karfreitag erinnern sich Christen an das Leiden und den Tod Jesu. Doch neben Klage und Trauer gibt es auch Grund zur Hoffnung.

 

Eine junge Frau heiratet. Doch sie muss lange warten, bis sie schwanger wird. Erst Jahre später bringt sie das langersehnte Kind zur Welt. Nun scheint endlich alles gut zu werden. Doch kurze Zeit später wird sie Opfer eines Autounfalls und stirbt an den Folgen. Das Kind überlebt. Familie und Freunde sind fassungslos. Alle stellen sich die eine Frage: Warum?

Jeden Tag werden Menschen Opfer von Gewalt, Krankheiten, Unfällen oder Naturkatastrophen. Oft scheint etwas gerade zu beginnen – und plötzlich ist alles vorbei. Der Tod eines Freundes oder Familienmitglieds reißt uns den Boden unter den Füßen weg. So ging es auch den Freunden Jesu. Nach dem feierlichen Abendessen (Letztes Abendmahl; Gründonnerstag), verrät einer seiner engsten Freunde Jesus, indem er seinen Gegnern den Aufenthaltsort Jesu mitteilt und die Soldaten sogar noch hinführt. Jesus wird von den Soldaten gefangengenommen; dann wird er verhört, brutal gefoltert und dabei noch verspottet. Währenddessen wird er von seinem besten Freund verleugnet: er tut so, als würde er Jesus überhaupt nicht kennen. Schließlich wird über ihn das Todesurteil gefällt. Völlig entkräftet muss er selbst den Kreuzbalken zur Hinrichtungsstätte schleppen. Er wird ans Kreuz genagelt und stirbt dort einen grausamen Tod. Bei all dem scheint die am Vorabend beim Letzten Abendmahl gegründete Gemeinschaft schon wieder an ihr Ende gekommen zu sein: seine engsten Freunde fliehen, erstarren vor Trauer und schließen sich ein. Andere kehren in ihre Heimat zurück. Alles ist vorbei.

Am Karfreitag erinnern wir uns an dieses Geschehen, an das Leiden und Sterben Jesu. Das Wort „Kar“freitag sagt schon, worum es geht: es kommt vom althochdeutschen Wort „kara“, das „Trauer“ bedeutet. Es ist ein Tag der Klage und Trauer. Deshalb fasten viele Christen an diesem Tag besonders, indem sie sich nur einmal sattessen und auf Fleisch verzichten. Zum Teil wird an diesem Tag Fisch gegessen, der einerseits billiger ist und damit besser zum Fasten passt und andererseits auch ein Symbol für Jesus ist (Fisch-Ichthys). Auch die Glocken schweigen – in manchen Regionen werden die Gläubigen stattdessen mit Ratschen (einem hölzernen Lärminstrument) zum Gottesdienst eingeladen. Dabei wird die Leidensgeschichte Jesu vorgelesen und anschließend das Kreuz zum Beispiel mit Blumen verehrt.

Warum verehrt man das Kreuz, an dem Jesus so brutal gestorben ist? Zunächst steht das Kreuz tatsächlich für den sinnlosen Tod, das schockierende Schicksal Jesu. Auch heute noch erleben Menschen auf der ganzen Welt dieselben Abgründe des Menschseins. Für sie wird am Karfreitag auch besonders gebetet. Warum man das Kreuz aber nicht nur anschaut, sondern verehrt, wird erst rückblickend von Ostern, also von der Auferstehung Jesu her klar. Nur weil der Tod und das Grab nicht das letzte Wort haben, können wir auch den Karfreitag zulassen. Das Kreuz wird dann zum Zeichen der Hoffnung in jeder noch so ausweglosen Situation: die Liebe ist stärker als der Tod.

 

Fact: Für manche Christen (z.B. evangelische Christen) ist Karfreitag der wichtigste Feiertag, der vor allem in Stille und Buße begangen wird. Deshalb mussten sie in Österreich an diesem Tag bis heuer auch nicht arbeiten. In Ländern, in denen die Christen am Karfreitag arbeiten müssen, finden die Gottesdienste oft nicht wie in anderen Ländern zur Sterbestunde Jesu um 15:00 Uhr, sondern erst am Abend statt.

KJÖ, ES