Die Gottesdienste von Vesper und Laudes reichen bis zu den Anfängen des Christentums zurück, als Gemeinden sich zum Sonnenuntergang und -aufgang zum Gebet versammelten. Damit setzten sie die Praxis des Tempel- und Synagogengottesdienstes fort.
Während das Stundengebet in den Ostkirchen bis heute selbstverständlich eine Gemeindefeier ist, wurde es in der lateinischen Kirche seit dem Hochmittelalter zunehmend zu einem vorwiegend privat verrichteten "Standesgebet" der Kleriker. Papst Paul VI. hat in seinem Vorwort zur erneuerten Stundenliturgie nach dem II. Vatikanum nachdrücklich angeregt, zumindest die beiden "Angelpunkte" des Tages, Laudes und Vesper, wieder zu gemeinsamen Feiern für alle Gläubigen zu machen.
Die Vesper markiert in biblischer und liturgischer Sicht den Beginn des neuen Tages, angelehnt an Genesis 1,5: "Es wurde Abend und es wurde Morgen: erster Tag." Bei Sonnenuntergang wird eine Kerze als Verheißung des kommenden Lichts und der Auferstehung entzündet, die den Grundton der morgendlichen Laudes bestimmt.
Im Wesentlichen besteht die Vesper aus dem Gesang oder der Lesung von Psalmen, einer Schriftlesung und einem Hymnus, der zur Tages- oder Festzeit passt. Jeder Abend schließt mit dem täglichen Gesang des Lobgesangs Mariens, dem Magnificat, wie es im Lukasevangelium überliefert wird.
Die morgendlichen Laudes, die im Stephansdom täglich mit der Kapitelmesse verbunden sind, greifen das Motiv des neuen Lichtes und der Auferstehung wieder auf und münden in den Lobgesang des Zacharias.
Weitere Teile des Stundengebets sind die nächtlichen Vigilien, die in der Praxis häufig als "Lesehore" untertags gehalten werden, die "kleinen Horen" zum Vormittag, zu Mittag und zum Nachmittag sowie die Komplet als Abschluss des Tages.
Eine spezielle Form der Abendliturgie hat sich in der anglikanischen Form des "Evensong" erhalten.