Montag 27. April 2026

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Papst am Hezlberg und bei der Klagemauer

Historische Momente an wichtigen Monumenten des Volkes Israel

 In Yad Vashem: verweist der Papst in einer viel beachteten Ansprache auf  den "Schmerz Gottes" über Shoah. Diese war als Meditation in Dialogform zwischen Gott dem Herrn und Adam, seinem Geschöpf, konzipiert. Zuvor steckte Franziskus einen Zettel mit einem Gebet dem jüdischen Brauch folgend in eine Ritze der Westmauer gefolgt von einer historischen Umarmung des Papstes mit Rabbiner Skorka und Imam Abboud. Zwischen diesen Ereignissen legte Franziskus als erster Papst einen Kranz an Theodor Herzls Grab nieder.

 

Papst Franziskus in Yad Vashem

Papst Franziskus hat in der Jerusalemer  Gedenkstätte Yad Vashem der sechs Millionen Opfer des Holocausts  gedacht. In der "Halle der Erinnerung" entzündete er die Ewige  Flamme und legte einen Kranz nieder. Anschließend betete er mit  gebeugtem Haupt still vor einer Steinplatte, unter der die Asche von  Opfern der nationalsozialistischen Vernichtungslager begraben ist.

 

In seiner Ansprache fragte Franziskus nach den Ursachen der  "unermesslichen Tragödie des Holocausts". Zugleich bat er Gott um  "die Gnade, uns zu schämen für das, was Menschen zu tun fähig  gewesen sind".

 

Die Ansprache war als Meditation in Dialogform zwischen Gott dem  Herrn und Adam, seinem Geschöpf, konzipiert. Gott fragt dabei den  Menschen, nachdem dieser Verbrechen begangen hat: "Mensch wer bist  du? Ich erkenne dich nicht mehr. Zu welchem Gräuel bist du fähig  gewesen?" Der Papst sprach vom "Schmerz des Vaters".

 

Die Meditation mündete in dem Aufruf "Niemals mehr, oh Herr, niemals  mehr!" Auffällig war, dass Franziskus sich in seinen Worten nicht  auf die Frage eingelassen hat, ob das Leiden des jüdischen Volkes  einzigartig sei oder nicht, sondern dass er anlässlich dieses Leides  darauf blickte, was Menschen anrichten können.

 

Vor der Ansprache wechselte Franziskus mit sechs  Holocaust-Überlebenden einige Worte. Begleitet wurde er von  Staatspräsident Shimon Peres und Ministerpräsident Benjamin  Netanyahu.

 

Bei seiner Ankunft in Israel hatte Franziskus am Sonntag den Besuch  in Yad Vashem als einen "besonderen Moment" seines Aufenthalts  bezeichnet. Die Shoah, der sechs Millionen Juden zum Opfer gefallen  seien, bleibe ein Symbol dafür, "wie weit die Ruchlosigkeiten des  Menschen gehen, wenn er, durch falsche Ideologien angestiftet, die  grundlegende Würde eines jeden Menschen vergisst", sagte er auf dem  Flughafen von Tel Aviv. Er bete zu Gott, dass ein solches Verbrechen  nie wieder geschehe. Auch viele Christen und andere seien ihm zum  Opfer gefallen.

 

Papst am Herzlberg

Papst Franziskus hat in Jerusalem den  Begründer des modernen Zionismus, Theodor Herzl (1860-1904) geehrt.  Im Beisein von Israels Staatspräsident Schimon Peres und  Ministerpräsident Benjamin Netanjahu legte er am Grab Herzls auf dem  israelischen Nationalfriedhof auf dem Mount Herzl am Montag einen  Blumenkranz nieder. Es war das erste Mal, dass ein Papst Herzls Grab  aufsuchte. Außerplanmäßig ging der Papst danach auch zu dem Denkmal für Terroropfer, das in der Nähe des Herzl-Bergs liegt.

 

Theodor Herzl (1860-1904), der aus Budapest stammte und in Wien als Journalist der „Presse“ lebte, war Gründer des politischen Zionismus. Seine sterbliche Hülle  wurde 1949 vom Döblinger Friedhof nach Jerusalem überführt. Der  Publizist und Journalist war Vordenker eines eigenen Staates für die  Juden. Sein 1896 veröffentlichtes Werk "Der Judenstaat" gilt als  diesbezügliches Grundsatzwerk. Herzl hatte in einer Audienz auch  Papst Pius X. um Unterstützung für seine Idee gebeten. Pius X. lehnt  dies damals ab.

 

Papst betete an der Klagemauer

Papst Franziskus hat Montagfrüh an der  Klagemauer in Jerusalem gebetet, der heiligsten Stätte der Juden.  Mit ernstem Gesichtsausdruck steckte er dem jüdischen Brauch folgend  einen Zettel mit einem Gebet in eine Ritze der Klagemauer. Laut  Medienberichten handelte es sich um das "Vater Unser" in spanischer  Sprache. Während des stillen Gebets beugte sich der Papst leicht  nach vorne und berührte die Mauer mit seiner rechten Hand.

 

In einem historischen Moment umarmte Franziskus im Anschluss vor der  Klagemauer den argentinischen Rabbiner Abraham Skorka und den Imam  Omar Abboud, früherer Generalsekretär des Islamischen Kulturzentrums  in Buenos Aires. Die beiden langjährigen Freunde Franziskus'  begleiten den Papst auf seiner Heilig-Land-Reise.

 

Vor der Klagemauer war Franziskus von jüdischen Spitzenvertretern  empfangen worden. Zuvor ließ sich der Papst über die archäologischen  Ausgrabungen an der Klagemauer und die Geschichte des Tempelbergs  informieren. Auch Franziskus' Vorgänger Benedikt XVI. und Johannes  Paul II. hatten an der Klagemauer gebetet.

 

Die sogenannte Klagemauer in Jerusalem ist die wichtigste religiöse  Stätte für Juden. Die Bedeutung leitet sich aus der Nähe zum 70 nach  Christus zerstörten Jüdischen Tempel ab. Die Mauer gehört zum  westlichen Stützfundament und ist nach allgemeiner Überzeugung der  dem Allerheiligsten des zerstörten Tempels nächstgelegene Ort. In  die Fugen stecken fromme Juden Zettel mit Wünschen an Gott.  Mittlerweile ist auch eine elektronische Übermittlung an die  örtlichen Geistlichen möglich.