Mit einer Festmesse und einem Festakt am Donnerstagabend, 12. Juni 2014, hat das Stift Klosterneuburg seinen 900. Geburtstag gefeiert. Dem Gottesdienst in der Stiftskirche stand Abtprimas Bernhard Backovsky vor. Mit ihm zelebrierten u.a. Bischof Klaus Küng und der Apostolische Nuntius, Erzbischof Peter Stephan Zurbriggen. Prominentester Gast was Bundespräsident Heinz Fischer. Genau vor 900 Jahren, am 12. Juni 1114, wurde der Grundstein zur Klosterneuburger Stiftskirche gelegt.
Das Stift sei in erster Linie kein Haus für die Chorherren, sondern für die vielen Gäste aus dem In- und Ausland, betonte Abtprimas Backovsky in seiner Predigt. Das Stift müsse auch in Zukunft ein lebendiges Haus bleiben.
Bundespräsident Heinz Fischer erinnerte in seiner Festansprache an den dreifachen Auftrag des Babenberger-Markgrafen Leopold III., der das Kloster vor 900 Jahren gründete: Die Chorherren seien in der Pfarrseelsorge engagiert, sie würden einen großen Wirtschaftsbetrieb leiten und hätten eine wichtige kulturelle Aufgabe.
Neben der Seelsorge in 27 Pfarren in Österreich, Norwegen und den USA profiliere sich das Stift auch als großer Arbeitgeber mit hoher sozialer und ökologischer Verantwortung, so Fischer. Er verwies u.a. auf das Sozialstatut des Stifts, wonach ein gewisser Teil der Gewinne stets für soziale Projekte verwendet werden müssen.
Schließlich würdigte der Bundespräsident auch die vielen Kunstschätze des Stifts und dessen Bemühen, diese auch den Besuchern zugänglich zu machen.
Einen Chorherren des Stifts hoben sowohl Fischer als auch der niederösterreichische Landesrat Wolfgang Sobotka hervor: Roman Scholz. Der Chorherr war im Widerstand gegen das NS-Regime engagiert und wurde dafür von den Nazis 1944 ermordet. Das Stift und seine Chorherren hätten es über die Jahrhunderte verstanden, den Menschen eine Perspektive, Halt und Orientierung zu geben, so Sobotka weiter.
Klosterneuburgs Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager hob schließlich die gute Zusammenarbeit zwischen Stift und Stadt hervor.
Der Gottesdienst und der anschließende Festakt wurden von den St. Florianer Sängerknaben und dem Altomonte Orchester musikalisch gestaltet. Die Kollekte bei der Festmesse kommt den Hochwasseropfern auf dem Balkan zugute.
Im "Napoleon-Zimmer" präsentierte schließlich Post-Vorstand Georg Pölzl die eigens aufgelegte Sonderbriefmarke zum Jubiläum. Sie zeigt die vom Gugginger Art-Brut-Künstler August Walla gemalte Stiftskirche.
Am Sonntag, 15. Juni, wird der Stifts-Geburtstag nochmals mit einem großen Familienfest gefeiert, zu dem die Chorherren die gesamte Bevölkerung einladen. Zahlreiche Ausstellungen, Symposien, Konzerte, Vorträge und Lesungen stehen im Jubiläumsjahr ebenfalls auf dem Programm.
Am 12. Juni 1114 wurde durch den Babenberger Markgrafen Leopold III., den später heiliggesprochenen Landespatron Österreichs, der Grundstein zur Stiftskirche gelegt. Mit der Monumentalität der Kirche, die damals alle anderen des Landes weit überragte, sowie mit umfangreichen Schenkungen schuf Leopold die Basis zu einem religiösen, sozialen und kulturellen Zentrum, das die Jahrhunderte bis heute überdauerte. Das 900-Jahr-Jubiläum steht unter dem Motto "Glaube - Begegnung - Friede".