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03.09.2014

Vatikan fordert Ende der Geld- und Waffenlieferungen für IS

"Radio Vatikan": Unterstützer der Terrormiliz "direkt verantwortlich" für Gewalttaten.

Wer der Terrormiliz IS Waffen liefert oder sie unterstützt, ist für deren Gewalt- und Terrorakte laut Ansicht des Vatikans "direkt verantwortlich". Das hat der ständige Vertreter des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen in Genf, Erzbischof Silvano Tomasi, bei einer Sondersitzung des Menschenrechtsrates dargelegt. Standpunkt des Vatikans sei es, dass der IS Geld- und Waffenflüsse sowie auch der Zugang zum Erdöl-Markt sowie dessen politische Unterstützung abgeschnitten werden müssten, erklärte er im Interview gegenüber "Radio Vatikan".

 

Ölverkauf finanziert die Waffen

Niemand solle das billige Öl des "Islamischen Staates" kaufen, forderte Tomasi, könne der "Phantomstaat" der Terrorgruppe doch erst durch seine Mäzene und Ölabnehmer aus verschiedenen Ländern der Welt kolportierte drei Millionen Dollar pro Tag an Einnahmen lukrieren. Durch die damit besorgten neuen Waffen könne sich die Gewalt im Nordirak und den angrenzenden Regionen erst fortsetzen.

 

Der Irak ist nur ein Beispiel

Wachse weltweit auch das Bewusstsein, dass im Nordirak "etwas getan werden muss", so warnte der Vatikandiplomat dennoch vor Folgen eines weiteren "globalen Schweigens": Eine zögerliche Reaktion auf die Gewalt im Irak könne zu einer weiteren Eskalation führen. "Was heute im Irak passiert, ist schon in der Vergangenheit passiert und kann morgen an anderen Orten passieren", so Tomasi vor dem Menschenrechtsrat.

 

Recht auf Leben und Eigentum

Die internationale Gemeinschaft sei für den Schutz Verfolgter verantwortlich, betonte der Vertreter des Heiligen Stuhls. Zentral sei hier der Begriff der "Schutzverantwortung", der von der UNO in den vergangenen Jahren entwickelt und seither auch in die katholische Soziallehre eingegangen sei. Es gehe dabei um die Verpflichtung, einzugreifen und den ungerechten Aggressor zu entwaffnen, sobald ein Staat angesichts eines drohenden Völkermordes seine eigenen Bürger nicht mehr schützen kann.

 

Als konkrete Schritte für "praktischen" Schutz forderte Tomasi vor dem Menschenrechtsrat Überzeugungsarbeit gegenüber allen Staaten, "dass das, was in Nordirak und Syrien geschieht, brutal, barbarisch und unzivilisiert ist", Nachsatz: "Und deshalb müssen nicht nur den Westen oder Christen, Sunniten oder Schiiten diese Vorgänge verurteilen, sondern jeder". Neben der humanitären Hilfe müsse zudem das "unleugbares" Recht der Menschen auf Heimkehr und erneute Besitznahme ihres Eigentums geschützt werden. Auch zerstörte Kirchen und Gebetsstätten sollten mit internationaler Hilfe wieder aufgebaut werden.