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09.10.2014

Wiener Dominikaner eröffnen spirituelle "Schule des Herzens"

"Schola Cordis" soll Antwort auf Sehnsucht der Menschen nach authentischer Spiritualität geben.

Mit ihrer neu eingerichteten "Schola Cordis" - einer "Schule des Herzens" - haben die Wiener Dominikaner ein Zentrum für christliche Spiritualität eingerichtet, das Antwort auf diesbezügliche Sehnsüchte der Menschen geben soll. Mit dem vielfältigen Angebot wolle man einen nichtkommerziellen, offenen Lern- und Lebensraum bieten, um Kerninhalte christlicher Spiritualität zu erschließen, betonte Pater Thomas Brogl, einer der Projektverantwortlichen, am Donnerstag, 9. Oktober 2014 bei einer Pressekonferenz. "Wir wollen Menschen beim Aufbau ihrer spirituellen Persönlichkeit helfen und begleiten", fügte Karl-Heinz Steinmetz hinzu, der die Schule gemeinsam mit Brogl leitet.

Die Angebotsstruktur der "Schola Cordis" gleicht einem Schul-Stundenplan.

Keine Gebühren oder Anmeldepflicht

Von Montag bis Freitag werden in den neu adaptierten Räumlichkeiten des Klosters frei zugängliche Vorträge, Textlektüre, Kontemplations- und Leibübungen zu verschiedenen spirituellen Themen angeboten. Um den Zugang möglichst niederschwellig zu halten, werde aber bewusst auf Gebühren oder Anmeldepflicht verzichtet, so Pater Brogl. "Die Menschen sollen frei auswählen, was für sie passt und was nicht. Wir wollen keine lästige Pflicht daraus machen." Ein Schwerpunkt im ersten Semester, das noch bis Jänner läuft, liegt auf der Spiritualität der Wüstenväter.

Da die Spiritualität so vielfältig ist wie der Zugang der Menschen zu ihr, werde versucht, Interessierten ein möglichst breites geistliches Spektrum zu bieten.

 

Jeder Wochentag ist einem bestimmten Thema gewidmet. Der Montag nimmt in einem Lesekreis den deutschen Mystiker Meister Eckhart in den Blick. Eine Vortragsreihe beleuchtet am Dienstag die "Weisheit der Wüste". Der Mittwoch steht ganz im Zeichen der Praxis, es werden Kontemplation und ein "Herzensgebet" eingeübt. Am Donnerstag sind Interessierte eingeladen, an den Gottesdiensten und am Stundengebet der Mönche teilzunehmen. Der Freitag widmet sich ganz der Kunst und Musik.



 

Seit 1226 Ort christlicher Kontemplation


1226 vom Babenberger-Herzog Leopold VI. gegründet, ist das Dominikanerkloster bis heute ein Ort christlicher Kontemplation. Zurzeit leben in dem Kloster 15 Mitbrüder, der Altersdurchschnitt liegt bei 48 Jahren. Über Nachwuchsprobleme könne sich das Kloster nicht beklagen, so Pater Brogl. Die Wiener Niederlassung ist außerdem das Ausbildungshaus der süddeutsch-österreichischen Provinz. Die letzte Zeit war geprägt von umfangreichen Renovierungsarbeiten. Gerade im Umbau befinden sich jene Räumlichkeiten, die in Zukunft von der "Schola Cordis" genutzt werden, aber auch angemietet werden können. Die Eröffnung erfolgt in zwei Wochen.

 

Durch die Wirren der Zeit



Als Studienort waren die Dominikaner in Wien mitbeteiligt an der Gründung der Wiener Universität. Das 16. Jahrhundert war aufgrund der Türkenbelagerung eine turbulente Zeit für das Kloster. Ein Teil der Kirche musste abgetragen werden und die Mitgliederzahl reduzierte sich drastisch. Im 17. Jahrhundert ging es wieder aufwärts: eine neue Kirche wurde begonnen, das Kloster barockisiert, der Konvent wuchs stark an und zahlreiche kaiserliche Privilegien förderten den Orden. Trotz der Schwierigkeiten des 1. und 2. Weltkriegs und einiger Einschnitte in der Regierungszeit Josephs II. überstand das Kloster alle Wirren der Zeiten und ist mit Dubrovnik in Kroatien und Krakau in Polen eines der drei Klöster des weltweiten Dominikanerordens, die seit dessen Gründung bestehen.