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04.11.2014

"Mechaye Hametim": Christliches Gedenken an Novemberpogrome

Programm bis 9. November: Konzerte, Vorträge, Gottesdienst.

Zum Gedenken an die Opfer der nationalsozialistischen Novemberpogrome des Jahres 1938 gegen die jüdische Bevölkerung in Wien veranstalten auch heuer wieder mehrere christliche und jüdische Organisationen gemeinsam die "Bedenktage"-Reihe "Mechaye Hametim - Der die Toten auferweckt".

 

In Erinnerung an die Ereignisse vor 76 Jahren finden bis 9. November zahlreiche religiöse, wissenschaftliche und kulturelle Veranstaltungen statt. Außer in Wien geschieht das heuer auch im Stift Heiligenkreuz, wo die durch ihre Sakralmusik-CDs weltweit bekannt gewordenen Mönche gemeinsam mit der jüdischen Sängerin Timna Brauer und dem Elias Meiri Ensemble ein Benefizkonzert unter dem Titel "Laudate Dominum" geben.

 

Gedenken an die "Reichskristallnacht"

In der Nacht vom 9. auf 10. November 1938, die noch immer unter dem euphemistischen Nazi-Ausdruck "Reichskristallnacht" bekannt ist, wurden im gesamten deutschen Machtbereich Synagogen in Brand gesteckt, jüdische Geschäfte sowie Wohnungen zerstört und verwüstet. Zahlreiche Juden wurden bei den Pogromen getötet oder verletzt. Allein in Wien wurden im Zuge der Pogrome insgesamt 42 Synagogen und Bethäuser zerstört. 6.547 Wiener Juden kamen in Haft, knapp unter 4.000 davon wurden in das Konzentrationslager Dachau verschleppt.

 

Im Zentrum der diesjährigen Gedenkveranstaltungen steht ein ökumenischer Gottesdienst am Sonntag, 9. November, um 18 Uhr in der Wiener Ruprechtskirche. Der Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich, Lothar Pöll, wird dabei Worte des Gedenkens sprechen. Anschließend ist ein Schweigegang zum Mahnmal für die österreichischen jüdischen Opfer der Schoa auf dem Judenplatz vorgesehen.

 

Blick auf die Stadt

Einen architekturbezogenen Zugang zu dieser dunklen Stunde der österreichischen Geschichte wählt der Stadtentwickler Franz Denk am 5. November um 15 Uhr mit einem Stadtspaziergang zu jüdischen Ringstraßenpalais wie dem Palais Ephrussi gegenüber der Universität. Dabei wird deutlich, dass die repräsentativen Bauten entlang der Wiener Prachtstraße nicht nur eine Errungenschaft der Habsburger sind, sondern etliche jüdischen Bauherrn zu verdanken sind, die später enteignet, vertrieben oder gar ermordet wurden.

 

"Wie vom Holocaust sprechen?" Dem Problem, "menschlichen Gräueln einen Namen zu geben, ohne sie zu kategorisieren und damit zu normalisieren" widmet der Wiener Theologe Peter Zeillinger am Mittwoch, 5. November, um 18.30 Uhr einen Vortrag im Rahmen der Theologischen Kurse (1010 Wien, Stephansplatz 3/III). Die Benennungsversuche im Judentum stünden für konkrete Deutungen, wie etwa der von Elie Wiesel eingeführte Name "Holocaust" (griech. für "Brandopfer"), heißt es in der Ankündigung.

 

Konzert in Heiligenkreuz mit Konzilsbezug

Künstlerischer Höhepunkt am 9. November, dem eigentlichen "Bedenktag", ist ein jüdisch-christliches Benefizkonzert der Heiligenkreuzer Mönche mit Timna Brauer um 19.30 Uhr in der Abteikirche. Unter dem Titel "Laudate Dominum" interpretieren die Sängerin und das Elias-Meiri-Ensemble jüdische Sakralmusik aus der Chassidischen und Jemenitischen Tradition, die Zisterziensermönche singen Gregorianischen Choral.

 

Das Stift Heiligenkreuz erinnert in seiner Ankündigung an das 50-Jahr-Jubiläum der "Judenerklärung" des Zweiten Vatikanischen Konzils, mit der die Kirche jeder Form des Antijudaismus eine klare Absage erteilte. "In einer Zeit, da Israel und das Judentum fast nur mehr 'politisch' wahrgenommen werden, ist es uns Mönchen ein Anliegen, auf die unlösliche religiöse und spirituelle Verbundenheit mit dem Judentum aufmerksam zu machen", heißt es. Der Reinerlös kommt den Priesterstudenten der Hochschule Heiligenkreuz und dem jüdischen Wohltätigkeitsverein "Ohel Rahel" zugute.

 

"Nacht der erhellten Synagogen"

Im Zeichen des Gedenkens an die Opfer der Novemberpogrome des Jahres 1938 steht am 9. November auch die "Nacht der erhellten Synagogen" mit mehreren Lichtinstallationen und Mahnwachen in Wien-Leopoldstadt. Auf einigen jener Plätze im zweiten Wiener Gemeindebezirk, an denen vor ihrer Zerstörung durch die Nationalsozialisten Synagogen oder jüdische Bethäuser standen, wird dabei in den Abendstunden ein Lichtstrahl den Himmel erhellen und an die brennenden Synagogen erinnern.

Seit Sommer 2014 werde Europa von einem neuen antisemitischen Schub erschüttert, betont die Israelitische Kultusgemeinde Wien in einer Ankündigung zur "Nacht der erhellten Synagogen": "1938 darf nie wieder passieren! Wir können und dürfen die Vergangenheit nicht ruhen lassen, wenn in Europa wieder moralische Grenzen überschritten werden und das Wort 'Saujud' auf Auslagen jüdischer Geschäfte geschmiert wird!"

 

Zerstörung in Wien

In der Nacht vom 9. auf 10. November 1938, die noch immer unter dem euphemistischen Nazi-Ausdruck "Reichskristallnacht" bekannt ist, wurden im gesamten deutschen Machtbereich Synagogen in Brand gesteckt, jüdische Geschäfte sowie Wohnungen zerstört und verwüstet. Zahlreiche Juden wurden bei den Pogromen getötet oder verletzt. In Wien gab es bis zum 9. November 1938 insgesamt sechs jüdische Tempel, 18 von Tempelvereinen gegründete Vereinssynagogen und 78 Bethäuser. Im Zuge der mehrtägigen Pogrome wurden 42 der Synagogen und Bethäuser zerstört. 6.547 Wiener Juden kamen in Haft, knapp unter 4.000 davon wurden in das Konzentrationslager Dachau verschleppt.


Schweigemarsch zum Judenplatz

Der Opfer der Novemberpogrome wird auch bei der bis 9. November laufenden "Bedenktage"-Reihe "Mechaye Hametim - Der die Toten auferweckt" gedacht. Im Zentrum der Gedenkveranstaltungen, die mehrere christliche und jüdische Organisationen jährlich gemeinsam veranstalten, steht ein ökumenischer Gottesdienst am 9. November um 18 Uhr in der Wiener Ruprechtskirche. Der Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich, Lothar Pöll, wird Worte des Gedenkens sprechen. Anschließend ist ein Schweigegang zum Mahnmal für die österreichischen jüdischen Opfer der Schoa auf dem Judenplatz vorgesehen.