Donnerstag 30. April 2026

Schnellsuche auf der Website

05.11.2014

"Habe genug erlebt"

Seit 32 Jahren nimmt die Caritas im "Juca" junge Wohnungslose auf.

Im Jogginganzug sitzt Zaklina auf der Kante ihres Schreibtisches. Ein Fernseher läuft im Hintergrund. Die Jalousien sind um acht Uhr morgens noch geschlossen. "Ich bin einfach froh, ein Dach über dem Kopf zu haben", sagt die 18-Jährige. Seit einem halben Jahr wohnt sie im "Juca" - einem Übergangswohnhaus der Caritas für junge Erwachsene in der Römergasse im 16. Bezirk. Hier hat Zaklina ihr eigenes Zimmer. Davor hat sie auf der Straße gelebt: "Meine Eltern haben mich rausgeschmissen. Ich habe für längere Zeit in verschiedenen Notschlafstellen übernachtet."

 

Die Vorgeschichte: Von der Bäckereikette für die sie arbeitete wurde sie aufgrund ihrer epileptischen Anfälle gekündigt, verlor auch die darauffolgende Stelle in einem Hotel und machte Schulden. "Ich habe wirklich genug erlebt", sagt Zaklina, die gern eine Lehre zur Einzelhandelskauffrau machen würde.

 

Keine Ausbildung, kein soziales Netz

83 junge Erwachsene im Alter von 18 bis 30 Jahren leben insgesamt im "Juca". Dabei werden die Jungen immer jünger: Lag das Durchschnittsalter der "Juca"-Bewohnerinnen und Bewohner 2003 noch bei 27 Jahren, so sind die Frauen und Männer beim Einzug heute 21 Jahre alt. In den Biographien der Bewohnerinnen und Bewohner finden sich viele Gemeinsamkeiten, sagt Andrea Fichtinger-Müllner, die stellvertretende Leiterin: "Sie kommen aus sehr schwierigen familiären Verhältnissen, ihnen fehlen soziales Netz und Ausbildung." Bis zu zwei Jahre lang können die jungen Erwachsenen im "Juca" wohnen. Voraussetzung ist, dass sie dazu bereit sind, mit Betreuern und Sozialarbeitern an persönlichen Zielen arbeiten.

 

Den Alltag meistern

Dabei sind Einkommenssicherung, Behördenwege und Schuldenregulierung genauso Thema wie Sucht und psychische Probleme. Auch an "banalen Alltagsfertigkeiten" wird gearbeitet: "Einkaufen, Kochen, Putzen – wir haben bemerkt, dass es bei den Jungen sehr stark um das Erlernen dieser Dinge geht", sagt Andrea Fichtinger-Müllner. Mit Fertigkeiten wie diesen können sich die Bewohnerinnen und Bewohner im "Juca" auch Taschengeld dazuverdienen, indem sie etwa im Haus in der JuCantine kochen oder Produkte aus Filz in der Werkstatt  JU_CAN herstellen. Wichtig ist das für die Tagesstruktur, denn viele der jungen Erwachsenen sind aufgrund von fehlender Bildung oder Berufserfahrung arbeitslos.

 

Jugendarbeitslosigkeit müsse bekämpft und Wohnen leistbar werden fordert die Caritas unter anderem in ihrer aktuellen Kampagne für "Familien in Not". Jugendliche die im "Juca" wohnen, sollen danach jedenfalls auf eigenen Beinen stehen und selbstständig wohnen können.