Für neue Wege im ökumenischen Dialog zwischen Katholischer und Orthodoxer Kirche hat "Pro Oriente"-Präsident Johann Marte plädiert. Bei einem ökumenischen Symposion in Wien, das bis Freitag 7. November 2014 anberaumt ist, sprach sich Marte auch für die eucharistische Gemeinschaft mit der Orthodoxie aus: "Wenn es wirklich stimmt, dass die Trennung der Kirchen nicht bis in die gemeinsame Wurzel des christlichen Erbes gegangen ist, müssten doch differenzierte Konsense und die eucharistische Gemeinschaft mit der Orthodoxie sogar schon heute möglich sein, ohne zuvor die vielen außertheologischen Hindernisse ausräumen zu müssen".
Der "Pro Oriente"-Präsident bezog sich damit auf eine Äußerung des orthodoxen Metropoliten Damaskinos (Papandreou) beim bahnbrechenden Ersten Ekklesiologischen Kolloquium der Stiftung im Jahr 1974. Der Metropolit sagte damals, dass im ersten Jahrtausend fast nie volle dogmatische Übereinstimmung bestand, trotzdem habe das weder die Gemeinschaft der Kirchen noch die eucharistische Gemeinschaft ausgeschlossen.
Das Christentum müsse von der Botschaft Jesu gemeinsam "und daher glaubwürdiger" Zeugnis geben, forderte Marte: "Wenn Spaltungen Sünde sind, wie unsere Oberhirten immer wieder betonen, bräuchte es also nur den Mut, diesen Schritt zum gemeinsamen Zeugnis zu tun".
Der Ökumenische Patriarch Athenagoras I. habe bereits im Jahr 1968 betont, dass "die Stunde des christlichen Mutes" gekommen sei. Der "Pro Oriente"-Präsident zitierte den Patriarchen: "Wir lieben einander, wir bekennen den gleichen gemeinsamen Glauben, machen wir uns zusammen auf den Weg vor die Herrlichkeit des Altars".
Bei dem Zweiten Ekklesiologischen Kolloquium im Wiener Kardinal König-Haus, das den Auftakt zur 50-Jahr-Feier von "Pro Oriente" bildet, wurde der derzeitige wissenschaftliche Stand der Frage nach "Wesen und Grenzen der Kirche" erörtert. Der Stillstand der offiziellen katholisch-orthodoxen Gespräche und das "Klima einer gewissen Ratlosigkeit" im ökumenischen Dialog erhöhten noch die Wichtigkeit des Kolloquiums, so Marte.