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20.11.2014

„Das Scheitern gehört zum Leben dazu“ - WIGE hilft seit 25 Jahren.

Plattform WIGE der Kategorialen Seelsorger der Erzdiözese Wien unterstützt seit 25 Jahren Geschiedene und Wiederverheiratete in der Kirche.

"Die Plattform WIGE ist aus einer pastoralen Not heraus entstanden", erinnert Renate Moser an die Initiative vor einem Vierteljahrhundert. Es gab in immer mehr Pfarren "Menschen, die betroffen waren, sei es von Trennung, Scheidung, oder dann auch dass sie wieder einen Partner oder eine Partnerin gefunden haben und wieder geheiratet haben", berichtet Moser.

 

"Damals wie heute gab es in den verschiedenen Pfarren einen unterschiedlichen Umgang mit den Betroffenen. Man hat aber gemerkt, man sollte auch irgendwelche Hilfestellungen anbieten für diese Menschen und auch für die pastoralen Mitarbeiter in der Pfarre", blickt Renate Moser auf die Anfangszeit der WIGE zurück, begründet auf ehrenamtliches Engagement.

 

Auf die Frage, wie die Bischöfe damals auf das Entstehen der WIGE reagiert haben, erläutert Moser: "Man hat gesehen, es ist notwendig. Es gab nichts. Es gab keine Leitlinien für seelsorgliche Mitarbeiter, es gab auch sonst sehr wenig und man war vom „good will" des jeweiligen Priesters abhängig, ob man akzeptiert war, um als Wiederverheirateter im Pfarrgemeinderat oder als Lektor mitzuarbeiten". Die Not der Menschen habe man als Priorität angesehen und einfach gehandelt.

 

Lehrgang, Treffen in der "Alten Burse"

Die Plattform WIGE für Geschiedene und Wiederverheiratete in der Kirche, ist in der Kategorialen Seelsorge der Erzdiözese Wien beheimatet. Die WIGE bietet Verschiedenstes an. Zum einen den Lehrgang mit Leitlinien für eine verantwortliche Pastoral für Menschen nach Trennung, Scheidung und bei Wiederheirat. "Dieser Lehrgang richtet sich vor allem an Priester, Pfarrsekretärinnen, Religionslehrerinnen und -lehrer, Kindergärtnerinnen - also an Menschen, die an Ort und Stelle mit Betroffenen zu tun haben", weiß Renate Moser. In sechs Modulen werden unterschiedliche Herangehensweisen angeboten. "Der Lehrgang wird sehr gut angenommen, insofern ist das für uns auch ein Netzwerk geworden, das sich schon über die ganze Erzdiözese Wien spannt", freut sich WIGE-Mitarbeiterin Moser.

 

Jeden zweiten Montag im Monat gibt es in der „Alten Burse“ in Wien einen Abend zu einem Thema, das Geschiedene und Wiederverheiratete betrifft. „Heuer geht es um Bibelstellen, die sich mit dem Scheitern beschäftigen, oder auch Pro und Contra einer Eheanullierung", schildert Renate Moser. Seit einem Jahr gibt es in der Plattform WIGE auch eine offene Gesprächsgruppe. Diese beginne langsam zu wachsen und werde gut angenommen. Darüber hinaus kommt es auch im Priesterseminar mit angehenden Priestern zum Gespräch über die Problematik. Renate Moser empfindet die Plattform WIGE in der Erzdiözese Wien als "rundherum sehr unterstützt und getragen". Sie spürt keine Widerstände gegenüber der Problematik.

 

Fünf Aufmerksamkeiten

Ein wesentliches Element der Unterstützung für Betroffene von Scheidung und Wiederverheiratung sind die so genannten fünf Aufmerksamkeiten. Die Broschüre „Die fünf Aufmerksamkeiten“ ist aus einem Vortrag von Kardinal Christoph Schönborn für Priester auf seinen Vorschlag hin entstanden. Sie ist eine Handreichung für den Umgang mit Geschiedenen und für Menschen, die an eine neue Partnerschaft denken und behandelt die wichtigsten Themen in dieser Situation. Darunter: die Aufmerksamkeit gegenüber den Kindern, gegenüber dem getrennt lebenden Partner, gegenüber der Schuldfrage, gegenüber den treuen Ehepaaren, und die Aufmerksamkeit gegenüber dem Gewissen und Gott.

 

"Das ist hier sehr gut zusammengefasst und mit Bibelstellen versehen. Zu jedem Kapitel findet sich auch eine Stellungnahme einer Betroffenen", erläutert Renate Moser, die selbst deine Trennung verarbeiten musste. "Ich konnte damit meine eigene Scheidung sehr gut aufarbeiten", ergänzt die WIGE-Mitarbeiterin.  Die fünf Aufmerksamkeiten kommen gut in der Seelsorgearbeit an und werden im gesamten deutschen Sprachraum versendet.

 

Renate Moser gibt im Zusammenhang mit dem Scheitern von Ehen folgendes zum Bedenken: "Ich denke mir, dass die allermeisten Menschen einander in der Absicht das Sakrament der Ehe spenden, für immer und ewig zusammenzubleiben. Oftmals gelingt das nicht. Das Scheitern gehört zum Leben dazu. Auch eine Ehe kann scheitern, wie auch andere Lebenskonzepte: man kann beruflich scheitern, man kann krank werden. Es gibt unterschiedliche Formen, wo sich das Leben dann doch anders entwickelt. Da denke ich hat die Kirche anzusetzen. In den allermeisten Pfarren passiert das auch auf sehr einfühlsame Art und Weise".

 

Aus Anlass des 25-jährigen Bestehens der Plattform WIGE in der Kategorialen Seelsorge der Erzdiözese Wien gibt es am Freitag, 22. November 2014 um 18 Uhr eine Eucharistiefeier in der Donau-Citykirche, ab 19 Uhr ein Podiumsgespräch mit Dompfarrer Toni Faber, Helmut Schüller von der Pfarrerinitiative, Gertrude Tomek von der Donau-City Kirche und Elisabeth Wieser-Hörmann vom Beratungsdienst IEF.