Vor 30 Jahren - am 29. November 1984 - starb der Wiener Erzbischof-Koadjutor Franz Jachym. Der Tod des damals 73-jährigen Erzbischofs erfolgte unter dramatischen Umständen bei der Eröffnung der Weihnachtsschau der Schwesterngemeinschaft "Caritas Socialis". Jachym hielt noch eine Ansprache, unmittelbar nach der offiziellen Eröffnung der Ausstellung durch die Witwe von Bundeskanzler Leopold Figl sackte der Erzbischof zusammen und fiel mit seinem Kopf auf die Schulter der neben ihm sitzenden Hilde Figl. Alle ärztlichen Bemühungen blieben vergebens.
Auch die Bischofsweihe Jachyms hatte großes Aufsehen erregt. Am 20. Jänner 1950 war der damals 39-jährige Universitätsprofessor zum Titularerzbischof von Maronea und zum persönlichen Koadjutor für Kardinal Theodor Innitzer ernannt worden. Die Bischofsweihe war für 23. April 1950 angesetzt. Beim Weihegottesdienst gab Jachym im Stephansdom unmittelbar vor der Allerheiligen-Litanei in feierlicher Form bekannt, dass er sich für nicht würdig erachte und verließ im bischöflichen Ornat den Dom. Im "Wiener Diözesanblatt" wurde daraufhin betont, dass der Rücktritt "rein persönlichen" Motiven entspringe und "keinerlei kirchenpolitischen Hintergründe" hatte. Jachym wurde nach Rom gerufen, wo er am 19. Mai 1950 in der Kirche der österreichisch-deutschen Nationalstiftung Santa Maria dell'Anima doch von Kardinal Innitzer zum Bischof geweiht wurde.
Der am 3. September 1910 in Wien geborene Jachym gehörte zu den prägenden Gestalten der katholischen Kirche in der Zweiten Republik. Ab 1950 war er als persönlicher Koadjutor von Kardinal Innitzer tätig, ab dem Amtsantritt Franz Königs als Erzbischof von Wien 1956 war er Koadjutor "sedi datus" (dem erzbischöflichen Sitz beigegeben). Von 1952 bis 1956 wirkte er als Sekretär der Bischofskonferenz, in dieser Funktion gab er 1955 das Weißbuch "Kirche und Staat" heraus, das wesentlich dazu beitrug, dass das Konkordat mit dem Heiligen Stuhl in der Zweiten Republik anerkannt wurde. Von 1969 bis 1980 wirkte Jachym in großer Loyalität zu Kardinal König als Generalvikar der Erzdiözese Wien. Als konsequenter theologischer Denker und Praktiker der Seelsorge erwarb er sich große Verdienste. Jachym war auch Referent der Bischofskonferenz für die Anliegen der Frauen in der Kirche.
In den siebziger Jahren erwarb sich Jachym entscheidende Verdienste um die nachkonziliare Erneuerung in der Erzdiözese Wien. Als Präsident der Wiener Diözesansynode von 1969/1971 gelang es Jachym, Divergenzen zu beseitigen und zu überwinden. Wesentlich war auch die Tätigkeit Jachyms als "Bau-Bischof"; die Errichtung zahlreicher Kirchen und Seelsorgestationen in Wien und Umgebung ist ihm zu verdanken. In seiner Zeit herrschte noch keine "Entente cordiale" zwischen dem Erzbischöflichen Palais und dem Wiener Rathaus. Nur unter größten Schwierigkeiten gelang es Jachym, in den Wiener Neubaugebieten den Bau von Gotteshäusern zu ermöglichen.
Als eine prägende Persönlichkeit der katholischen Kirche Wiens mit "viel Mut zu Neuem" hat Weihbischof Helmut Krätzl den vor 30 Jahren verstorbenen Erzbischof Franz Jachym (1910-1984) gewürdigt. In einem Gottesdienst am Wochenende erinnerte Krätzl daran, dass Jachym durch bis heute rätselhafte Ereignisse weltbekannt wurde: zunächst, als er 1950 völlig überraschend von der Bischofsweihe vor der Handauflegung zurücktrat und den Stephansdom verließ, weil er sich "der Ehre nicht würdig fühle". Und 1956, als Jachym - obwohl Koadjutor von Kardinal Innitzer - dennoch nicht dessen Nachfolger wurde, sondern Franz König. "Um beide Ereignisse haben sich Gerüchte und Legenden gebildet, nicht alles wurde geklärt", sagte Krätzl.
Zugleich werde beim Gedenken an den Erzbischof (Jachym wurde nach einer Unterredung mit Papst Pius XII. 1950 in Rom doch noch geweiht) "die Gestalt eines großen Bischofs lebendig", der seiner Heimatdiözese ein bis heute prägendes Gesicht gab. Krätzl hob besonders Jachyms Engagement als "Baubischof" hervor, in einer Zeit, als viele Kirchen und kirchliche Einrichtungen durch den Krieg beschädigt waren und restauriert werden mussten. Und auch neue Kirchen in der wachsenden Stadt seien errichtet worden, etwa die Kirchen im Wohnpark Alt Erlaa, Gatterhölzl oder Hl. Kreuz am Laaerberg, die den Titel Erzbischof-Jachym-Gedenkkirche trägt. "Wehmütig" merkte Weihbischof Krätzl an, dass im Unterschied zur Nachkriegszeit wegen schwindender Katholikenzahlen "Kirchenbauten uns zur Last geworden sind".
Besonders innovativ sei Jachym bei der Geldbeschaffung gewesen. Durch ein "Kirchliche Aufbauanleihe" sei die finanzielle Belastung auf Generationen aufgeteilt worden - ein Novum, das den späteren Papst Paul VI., damals Erzbischof in Mailand, extra in Wien anfragen ließ. Große Verdienste habe sich Jachym auch um den Priesternachwuchs und um die nachkonziliare Wiener Diözesansynode als deren "Spiritus rector" gemacht.