Die Katholikenzahlen in Österreich gehen langsam aber beständig zurück. Mit Stichtag 31. Dezember 2014 gehörten 5,27 Millionen Österreich der Katholischen Kirche an. Ein Jahr zuvor waren es noch 5,31 Millionen. Nach Einschätzung der Wiener Pastoraltheologin Regina Polak befindet sich die Kirche derzeit in einer Art "Plateau-Phase".
Sie wolle nicht von einer Konsolidierung sprechen, als vielmehr von einer Pause zum Durchatmen, Wandeln, Weichenstellen, wohl auch zum Abschiednehmen und Trauern. Denn die Kirche in Österreich altert und damit sei mit weiteren Rückgängen beim kommenden Generationenwechsel zu rechnen, so Polak.
Es gehe in der derzeitigen Phase darum anzuerkennen, nicht mehr die dominierende Mehrheit im Land zu sein, und gleichzeitig zu erkennen, dass mit dieser neuen Situation auch Chancen verbunden sind. Polak spricht von "neuen Möglichkeiten des Christwerdens". Zurücklehnen sei jedenfalls für die Kirche keine Option. Unabhängig von der Zahl gelte es für die Katholiken, sich religiös und gesellschaftlich zu engagieren.
Die Sakramente wären zwar prinzipiell ganz entscheidende "Einflugschneisen in das kirchliche Leben", aber in der Regel führten sie derzeit nicht dazu, dass Menschen sich für einen klassischen katholischen Lebensweg entscheiden. Papst Franziskus sei für viele Menschen außerhalb der Kirche eine interessante Person, aber für Lebensentscheidungen wie die Zugehörigkeit zu einer Kirche brauche es mehr, so Polak; nämlich "Lebenswelten, in denen zu leben, bereichernd und hilfreich ist". Dies müsse auch der Focus bei allen bereits laufenden Anpassungen und Veränderungen der kirchlichen Strukturen in Österreich sein, hielt die Theologin fest.
Als Manko ortete die Religionssoziologin den Umstand, dass die vorliegenden Zahlen kaum Rückschlüsse auf gesellschaftliche und kirchliche Entwicklungen zuließen. Spezifizierungen hinsichtlich Alter, Geschlecht oder Migrationshintergrund wären nötig, um zu einem vollständigeren Bild zu kommen.
Gleichzeitig warnte Polak vor einem binnenorientierten Diskurs. Vielmehr gehe es um die Frage, wo die Kirche in einem religiös pluralen Umfeld stehe und sich darin bewähre. Dabei sollte sich Kirche nicht nur als Heimat für die individuelle Sinnsuche, sondern immer auch als gestaltende gesellschaftliche Kraft verstehen.
"Es geht immer auch darum, als Kirche Zeichen und Werkzeug für mehr Friede und Gerechtigkeit in der Welt zu sein." Dafür seien aber das Engagement und die Glaubwürdigkeit der Kirche und ihrer Mitglieder wichtiger als statistische Größen- und Mehrheitsverhältnisse.