Diskussion ohne Zeitdruck für das neue Fortpflanzungsmedizingesetz hat der Innsbrucker Bischof Manfred Scheuer eingefordert. Mit der Zulassung der Präimplantationsdiagnostik (PID) erlaube die geplante Novelle "die Herstellung eines embryonalen Menschen nur zum Zweck der Selektion", so Scheuer am Montag in einer Aussendung, und weiter: "Was bedeutet das zur Frage der Diskriminierung und vor allem für die Menschen, die mit einer genetisch bedingten Krankheit leben?"
Scheuer zitierte in seiner Kritik an der PID-Zulassung Papst Franziskus, der in seiner Rede vor dem EU-Parlament im November "immer noch zu viele Situationen" beklagt hatte, "in denen Menschen wie Objekte behandelt werden, deren Empfängnis, Gestaltung und Brauchbarkeit man programmieren und sie dann wegwerfen kann, wenn sie nicht mehr nützlich sind, weil sie schwach, krank oder alt geworden sind."
Der vorliegende Gesetzesentwurf sei durchaus eine Richtungsentscheidung, gehe es bei der PID doch "durchaus um die Frage, welches Leben lebenswert ist und welches nicht", stellte der Innsbrucker Bischof fest. Fragen am Lebensbeginn wie auch am Lebensende würden zudem in "intensiver Wechselwirkung" mit dem Problem des Umgangs mitten im Leben stehen: "Was um die Lebensränder gesellschaftlich besprochen wird, ist ein Signal für das, was uns künftig auch in der Lebensmitte betreffen kann."
Auch viele weitere Details der beabsichtigten Gesetzesnovelle seien höchst problematisch, wobei Scheuer u.a. auf die Missachtung des in der Kinderrechtskonvention festgehaltenen prinzipiellen Rechts jedes Kindes auf Vater und Mutter wies. Einer potenziell "erheblichen Gesundheitsbelastung für Frauen" sowie der Kommerzialisierung des weiblichen Körpers leiste zudem die vorgesehene Möglichkeit der Eizellspende Vorschub.
Für den am 21. Jänner im Parlament zu verhandelnden Gesetzesentwurf, der insgesamt "weitgehend jede Option erlaubt, um einen Kinderwunsch zu realisieren, die der Markt derzeit bietet", appellierte Scheuer an die Parlamentarier zu einem Überdenken der möglichen Zustimmung: Sinnvoll wäre eine erneute Diskussion ohne Zeitdruck, unter stärkerer Berücksichtigung des Minderheitenvotums in der Bioethikkommission, des Rechtes der Kinder sowie der Alternativen bei unerfülltem Kinderwunsch und der "vielfältigen Hilfestellungen" dabei.