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22.01.2015

Diözesanerneuerung: Das Wiener Dekanat 15 schreitet zügig voran.

1972 waren wir 68.000 Katholiken, 2015 sind wir knapp über 20.000 Katholiken.

In unserem Dekanat schreitet die Diözesanreform sehr gut voran. Es ist immer wichtig zu schauen, warum wir diese Reform jetzt machen“, sagt Dechant Martin Rupprecht: „1972 waren wir 68.000 Katholiken, 2015 sind wir knapp über 20.000 Katholiken. Da braucht es eine Anpassung der kompletten Strukturen, was Pfarrstrukturen, das Personal und die Finanzen anbelangt.“ Natürlich müsse „mit einer äußeren Reform auch eine innere Erneuerung“ einhergehen.  Rupprecht: „Im Dekanat Wien 15 haben wir uns ein Jahr lang damit beschäftigt und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass wir aus sieben Pfarren künftig zwei bilden.“  

Ein Ziel, aber keinen Druck

Hinsichtlich der Geschwindigkeit, mit der die Pfarren im Erneuerungsprozess unterwegs sind, sieht der Dechant „große Unterschiede“: „Man kann keine mit der anderen vergleichen. Jede ist komplett anders.“  Für die „Pfarre neu“ „Hildegard Burjan“, für die er verantwortlich ist, habe man sich „ein Ziel, aber keinen Druck“ gegeben. Für Rupprecht ist „das Wichtigste das innere Geschehen, das äußere Ergebnis ist dann die Umwandlung auch in kirchenrechtlicher Form“.

 

Rupprecht: „Wir haben eine Kirche an die Rumänisch-Orthodoxe Kirche verkaufen können – St. Antonius von Padua/Pouthongasse. Hier haben wir etwas erlebt, was wir anfangs nicht geplant hatten. Dass wir das Miteinander mit den orthodoxen Geschwistern als Fügung und Führung des Heiligen Geistes erleben.“ In der nunmehr orthodoxen Kirche bleibt die Pfarre weiterhin als Gottesdienstgemeinde, sie feiert weiterhin Eucharistie in der Kirche. Durch diese Nähe erlebt Rupprecht „etwas Ökumenisches, was 100 Ökumene-Treffen nicht zustandebringen: Ein Vertrautwerden mit der orthodoxen Gemeinde und den Priestern dort und umgekehrt“. Rupprecht: „Zu Weihnachten kam der orthodoxe Priester mit seiner Familie und zwanzig Kindern seiner Gemeinde zu uns zum Weihnachtssingen und wir mit den Sternsingern kamen zu ihnen.“ Hier sei wirklich spürbar: „Wir sind als eine Familie unterwegs.“

Unterschiedliche Spiritualität

Rupprecht: „Die größte Herausforderung für unsere Pfarren ist, dass wir in unseren Spiritualitäten sehr weit auseinander sind. Dass wir lernen müssen, uns gegenseitig nach innen auszuhalten und als Bereicherung zu erleben und nach außen diese Vielfalt als Vielfalt des katholischen Lebens darstellen können.“ Der spirituelle Bogen spannt sich von einer Basisgemeinde bis hin zu den zwei Kalasantinerpfarren im Dekanat.

Verantwortung motiviert

„Das Miteinander, das Verantwortung-Übertragen, das Gefühl, ich kann tatsächlich mitgestalten, nicht nur im Kleinen, das motiviert sehr viele und zeigt, dass wir gemeinsam einen Weg gehen“, sagt der Dechant: „In der Pfarre Hildegard Burjan bilden wir schon jetzt einen pastoralen Raum. Das Seelsorgeteam besteht aus drei Priestern und drei Pastoralassistenten und -assistentinnen. Wir treffen uns einmal im Monat, wir sehen die fünf Pfarren schon jetzt als eine seelsorgliche Größe. Das versuchen wir zu intensivieren. Wir haben eine Pfarrkonferenz, das ist die Struktur des künftigen Pfarrgemeinderates in der Pfarre neu, und mit 1. 1. 2017 werden wir als Ergebnis dieses Prozesses, auch kirchenrechtlich, die Pfarre neu „Hildegard Burjan“ bilden.

Demographischer Umbruch

„Es ist durch den demographischen Umbruch eine enorme psychische Belastung für die

Gemeinden und die Seelsorger vorhanden: durch den Rückgang der Katholikenzahlen und durch die komplett neue Verfasstheit der Bevölkerungszusammensetzung“, sagt Rupprecht. Neben der Pfarrkirche Rudolfsheim gibt es zwei Volksschulen. „In der einen Volksschule haben 97 Prozent der Schüler einen Migrationshintergrund, in der anderen  99,5. Da haben wir von 200 Schülern einen einzigen, der keinen Migrantenhintergrund hat. In der ganzen Schule sind 16 katholische Schüler und von den 16 katholischen sind 14 mit Migrantenhintergrund.“

Psychische Belastung

„Das ist eine völlig neue Situation“, weiß der Dechant: „Das auszuhalten, sich als kleiner Teil in einer pluralistischen Gesellschaft wiederzufinden, das ist eine enorme psychische Belastung. Und ich danke unserem Kardinal, dass er uns hier immer  wieder begleitet hat.“ Wenn 90 Prozent der Gemeindeaktivitäten  nur mehr darin bestünden, Aktionen für die Kirchenerhaltung zu machen, „dann muss man sagen: Es ist zwar schön, dass 80 Leute eine Heimat haben,  aber wäre es nicht besser, sich zusammenzutun und auf die Gebäude zu verzichten?“, meint Rupprecht: „Wir brauchen zwar Beheimatung, aber wir müssen hinausgehen. Oft ist es leichter, unseren Auftrag zu erfüllen, wenn wir diese Belastungen nicht hätten.  Diese Spannung haben wir noch nicht lösen können. Wir sollten den Mut haben, uns manchmal von manch Liebgewonnenen zu verabschieden.“