Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat in der vergangenen Woche mit einer Presseaussendung aufhorchen lassen: erstmals sei die Zahl der Ebola Erkrankungen in allen drei der am meisten betroffenen Ländern Westafrikas - Guinea, Sierra Leone und Liberia - rückläufig. Die Regierung in Mali erklärte die Epidemie in ihrem Land gar für beendet.
Trotzdem warnt die WHO davor, angesichts der sinkenden Infektionszahlen die Anstrengungen zur Ebola-Bekämpfung zu verringern. Ebola bleibe eine ernstzunehmende Bedrohung internationalen Ausmaßes. Alle Empfehlungen, die Gesundheitsvorsorge und die Hygiene betreffend, bleiben daher aufrecht.
Dass ein Rückgang der Neuinfektionen zwar eine gute Nachricht, allerdings noch lange nicht das Ende der Epedemie ist, betont auch Salesianerbruder Lothar Wagner, Leiter des von Jugend Eine Welt unterstützten Kinderschutzzentrums Don Bosco Fambul in Freetown/Sierra Leone.
In einem Interview mit Radio Vatikan übte er Kritik an der internationalen Ebola-Hilfe: „Die Situation ist heute, im Januar 2015, weitaus schwieriger als etwa noch vor einem halben Jahr.“ Zwar seien die „apokalyptischen Vorhersagen“ – auch für einen weltweiten Ausbruch – nicht eingetroffen, die Situation sei aber für die Menschen vor Ort „nach wie vor dramatisch“. „Wir dürfen nicht vergessen, dass wir immer noch jeden Tag bis zu vierzig neue Infektionen haben, vor allem hier in Freetown, der Hauptstadt.
In den Armutsvierteln ist die Situation nach wie vor außer Kontrolle. Die Menschen meiden Kontakt; das ist nach wie vor eine Ausnahmesituation.
Vor allem auch die Lage von jungen Menschen, um die sich Bruder Lothar und sein Team besonders kümmern, habe sich wegen Ebola massiv verschlechtert. Schulen seien weiterhin geschlossen, Kinder landen reihenweise auf der Straße. Auch die Zahlen von sexuellem Missbrauch seien angestiegen. Das Mädchenhaus der Salesianer Don Boscos sei an den Grenzen seiner Kapazitäten.
Obwohl sich Bruder Lothar von der internationalen Gemeinschaft vergessen fühlt, ist er für die großartige Unterstützung durch zahlreiche Spender und Spenderinnen dankbar – auch aus Österreich. Und die Hilfe bleibt weiterhin dringend nötig, denn leider ist ein Ende der Ebolakrise noch lange nicht in Sicht. „Wir stehen kurz vor einer Hungersnot“, so Bruder Lothar. „Die Preise sind enorm; Menschen haben ihre Arbeit verloren.
Es ist jetzt an der Zeit, Aktivitäten einzuleiten, damit wir nach der Ebolakrise nicht in eine Hungerkrise schlittern, und damit es nicht zu Unruhen kommt. Ich warne ausdrücklich davor, den Blick nur auf eine Ebolapandemie zu lenken. Es gibt schwerwiegende ,Nebenwirkungen‘, die wir jetzt unter Kontrolle bekommen müssen.“