Allerdings hat er deshalb mit seinen Eltern schon Streit gehabt, denn er will sich unbedingt als Monster verkleiden. „Warum denn unbedingt als so etwas Schiarches?“, fragt ihn seine Mutter. „Wegen dem Horrorfilm, den ich mir unlängst mit meinem Freund auf DVD angeschaut hab“, antwortet er. Und er weiß schon ganz genau wie: Er schlüpft in einen alten groben Jutesack, auf den seine Mutter ein zotteliges Fell nähen soll, einen großen Kopf mit langen blutigen Zähnen aus Pappmaschee und Handschuhe mit furchteinflößenden Krallen aus Karton.
Nicht nur Phillips Eltern schaudern bei dem Gedanken, wie ihr Sohn auf die Faschingsparty gehen möchte – auch mir. Warum nur sind die schönen Verkleidungen nicht so beliebt?
Früher wollten sich die Kinder noch als Cowboys und Indianer, Koch und Rauchfangkehrer, Prinzessin, Clown oder Zauberer verkleiden. Ein kleiner Feuerwehrmann oder ein Ritter waren da schon eine Sensation. Heute wollen viele nur als Zombies, Außerirdische, wilde Krieger, Horrorgestalten, Geister oder Hexen ausgehen. Ob nur das Fernsehen oder das Internet daran schuld sind?
Im Fasching versuchen wir, durch Verkleidung für ein paar Stunden in eine „andere Haut“ zu schlüpfen. Die Armen wollen einmal reich aussehen, die Schüler einmal Lehrer spielen und die Braven für einen Tag richtig böse dreinschauen.
Ich denke mir nur: Alles mit Maß und Ziel. Denn aus zuviel Übermut und dem Hang zum Gruseligen kann plötzlich Ernst werden. Auch mit Spielzeugwaffen könnt ihr andere echt verletzen und mit schaurigen Kostümen kleine Kinder erschrecken.
Phantasievoll geschminkte Gesichter verfehlen hingegen ihre Wirkung nie – aber auf eines solltet ihr beim Hang zum Verkleiden achten: Wir verkleiden uns für das Faschingsfest, um dort Spaß zu haben und fröhlich zu sein – nicht wegen der „Modeschau“ – das kommt noch früh genug, meint eure Sophie.