Was erhoffen Sie sich vom „ewigen Leben“?
Gisbert Greshake: Leben in Fülle, ein Leben, das keine Wünsche offen lässt, ein Leben, das alle Sehnsucht meines Herzens für immer erfüllt.
Wofür stehen „Himmel“ und „Hölle“? Sind das überhaupt Alternativen?
Gisbert Greshake: Himmel und Hölle sind nicht „Orte“, sondern Bilder für „Zustände“. Dabei bezeichnet Himmel genau das, was mit ewigem Leben gemeint ist, unterstreicht aber – weil man das Bild Himmel oft mit dem Bild des „Wohnsitzes“ Gottes verbindet –, dass das ewige Leben Gabe Gottes, Anteil-Gabe an seinem Leben ist.
Während ich den Himmel also als Geschenk Gottes erwarte, ist Hölle der Zustand, in den ich mich selbst kraft meiner eigenen Entscheidung stürze, weil sich meine Freiheit vor dem Anruf Gottes und des Nächsten verschließt und sich in den Sackgassen des eigenen Egoismus, der Machtgier und Überheblichkeit festfährt. So ist sie nicht mehr offen für das, was Gott mir schenken will.
Insofern sind Himmel und Hölle die schärfsten Alternativen, die es gibt, beides steht wie Plus und Minus einander gegenüber.
Dürfen wir uns auf den Himmel freuen?
Gisbert Greshake: Und wie! Was erstrebt denn jeder von uns mehr als ein rundherum gelingendes Leben, als ein endgültiges Heimatfinden!
Viele können doch wohl die Worte des großen Theologen und Pädagogen J. A. Comenius aus dem 17. Jh. unterschreiben: „Mein Leben war ein Wandern, eine Heimat hatte ich nicht. Es war ein ruheloses, fortwährendes Umhergeworfenwerden, niemals fand ich einen festen Wohnsitz. Jetzt aber sehe ich schon mein himmlisches Heimatland.“
Eben dies also motiviert zur Freude auf den Himmel: Heimat finden in Gott, zu Hause sein zusammen mit denen, die ich liebe, Ganzsein, Leben in vollen Zügen.
Müssen wir uns vor der Hölle fürchten?
Gisbert Greshake: Und wie! Hölle bedeutet ja, sich in Sackgassen festzufahren, die eigene Lebenserfüllung für immer zu verpassen, ewig ein „Monster“ zu bleiben, in niemals aufhörender Nichtidentität zu existieren.
Was heißt es, dass „Gott will, dass alle Menschen gerettet werden“ (1 Timotheus 2,4)?
Gisbert Greshake: Es besagt genau das, was das Wörtchen „will“ meint: Gott will unbedingt das Heil aller Menschen, wobei er freilich den Menschen nicht als Marionette behandelt, sondern dessen freie Entscheidung respektiert, damit wirklich gegenseitige Freundschaft zwischen Gott und Mensch sein kann.
Gott hat sich selbst dazu bestimmt, ein „Gott der Menschen“ zu sein. Und er kennt nur ein Ziel: dass der Mensch frei zustimmend in der Beziehung zu ihm bleibt und darin „schalom“ – umfassendes Heil, erfülltes Leben empfängt.
Deswegen kann auch zwischen Himmel und Hölle keine „Symmetrie“ herrschen. Beide sind nicht zwei „parallele“ Möglichkeiten für das endgültige Geschick des Menschen.
Deshalb ist nicht nur vom Menschen, sondern auch von Gott her gesehen der Himmel das stringente Ziel unseres Lebens.
Die Religionen haben unterschiedliche Jenseitsvorstellungen. Was ist die Stärke der christlichen Hoffnung für das Jenseits?
Gisbert Greshake: Die unterschiedlichen Vorstellungen der Religionen tun im Grunde nichts oder nicht viel zur Sache, da wir auch im biblisch-christlichen Glauben immer nur in schwachen, manchmal widersprüchlichen Bildern und Hinweisen über das sprechen können, was jenseits aller Vorstellungen liegt.
Nicht also in den besonderen „Vorstellungen“ liegt die Stärke des Christentums, sondern in seiner Überzeugung, dass Gott, wie er es in Jesus Christus gezeigt hat, den Menschen unsäglich, unwiderruflich und vorbehaltlos liebt.
Diese Eindeutigkeit der in Christus offenbaren Liebe ist nicht nur das Besondere des christlichen Glaubens, sondern eben auch der christlichen Hoffnung, die sich festmacht in dieser Liebe, von der uns nicht, aber auch gar nichts scheiden kann.