Logo3.png

Reformationstag

31. OKTOBER

Wie gelingt Versöhnung mit Gott und Mensch, wenn ich Falsches getan habe? Darüber herrschte spätestens ab dem 31. Oktober 1517 Uneinigkeit in der Katholischen Kirche, denn da nagelte Martin Luther seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche von Wittenberg und löste damit die Reformation aus… - zumindest sagt das die Legende.

 

Aber jetzt mal von Anfang an: Als der Jurastudent Martin Luther 1505 auf einer Reise in ein Unwetter gerät und wohl nur knapp von einem Blitz verfehlt wird, begreift er das als Zeichen Gottes. Er schließt sich dem Bettelorden der Augustiner an, wird Priester und studiert Theologie in Wittenberg. Nach dem Studium erhält er eine Bibelprofessur an der dortigen Universität und wird zwei Jahre später als Prediger an die Stadtkirche berufen. Soweit so gut.

Doch Martin hat ein Problem. Es gibt ein paar Fragen, die ihm einfach keine Ruhe lassen. Und das sind zur damaligen Zeit heiße Eisen: Es sind Fragen nach Sünde, Schuld und Machtmissbrauch.
Zum Beispiel werden in der Katholischen Kirche zu dieser Zeit Ämter an den Bestbietenden verkauft. Und auch von seinen Sündenstrafen kann man sich per Ablassbrief freikaufen.  Ganz nach dem Motto: „Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegefeuer springt!“ Das füllt die Kassen und erleichtert den Bau des Petersdoms in Rom. Luther hat zu diesen Vorgängen eine eindeutige Meinung: Sie sind von Grund auf falsch! Nur die Gnade Gottes und der Glaube an Jesus Christus können den Menschen von seinen Sünden befreien!

Um das mit anderen Theologen zu besprechen, formuliert er 95 Thesen zur Erneuerung (= Reformation) der Katholischen Kirche und verschickt sie an seine Kollegen. Seinem Chef, dem Erzbischof von Mainz, schickt er ebenfalls einen Brief – am 31. Oktober 1517.

Wie die 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche gekommen sind, kann man heute nicht mehr sagen. Dass sie dort angeschlagen werden, sorgt gemeinsam mit anderen Publikationen Luthers für Furore: Die Einnahmen aus dem Ablasshandel gehen zurück, die Mächtigen in der Katholischen Kirche fühlen sich bedroht. Nach einigem Hin und Her wird Luther 1521 schließlich aus der Kirche verbannt, darauf folgt dann auch noch die Reichsacht.


Damit ist Martin Luther vogelfrei – und wird zu seiner eigenen Sicherheit auf die Wartburg entführt, wo er einige Monate untertaucht und unter dem Namen Junker Jörg das Neue Testament ins Deutsche übersetzt. JedeR soll selbst nachlesen und sich ein Bild von der Botschaft der Bibel machen können.

Zu diesem Zeitpunkt steht Luther mit seiner Forderung nach Erneuerung längst nicht mehr alleine da. Die Gesellschaft ist gespalten, zum theologischen Streit kommt der soziale Protest. Es kommt zu Unruhen und Aufständen. Das westliche Christentum spaltet sich mit dem Augsburgerbekenntnis 1530 in unterschiedliche Konfessionen auf – neben der Katholischen gibt es dann auch eine Lutherische Kirche (die wird damals aber aufgrund ihrer Protesthaltung gegenüber der Katholischen Kirche als Protestantische Kirche bezeichnet). Erst mit dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 kehrt ein bisschen Ruhe ein – allerdings nur kurz, denn schon bald folgt der 30jährige Krieg. Aber das ist eine andere Geschichte.

Begangen wird der Reformationstag von evangelischen ChristInnen heutzutage mit der Feier von Gottesdiensten. SchülerInnen der evangelischen Kirchen A.B. und H.B. haben dazu in Österreich auch schulfrei.

 

Fact: Mit seiner Übersetzung des Neuen Testaments prägt Martin Luther die deutsche Sprache bis heute. Um gut übersetzen zu können, muss er nämlich neue Ausdrücke einführen – „Nächstenliebe“ z.B. kommt da zum ersten Mal vor.

KiD, BA