Logo3.png

Rosch Haschana

30. SEPTEMBER

1. TISCHREI 5780
 

Alles Gute zum Geburtstag! Wer hat Geburtstag? Alles!

 

Rosch Haschana bedeutet wörtlich „Kopf des Jahres“, und ist das jüdische Neujahrsfest. Es ist der Tag des Jahres an dem G’tt die ersten Menschen, Adam und Eva, erschuf und die Schöpfung zelebriert wird. An diesen ersten beiden Tagen eines neuen Jahres, werden vor allem süße Speisen gegessen. Typisch ist, einen in Honig getauchten Apfel zu essen, wobei der Honig ein süßes neues Jahr symbolisieren soll. Es ist auch ein Feiertag, an welchem man seinen Mitmenschen Glückwünsche übermittelt. Während zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Feiertag diversen Telegrammdiensten zu schaffen machte, glühen heute die WhatsApp-Server, wenn Jüdinnen und Juden aus aller Welt sich ein süßes Jahr wünschen.

Viel wichtiger als Äpfel mit Honig und freundliche Grußbotschaften ist an diesem Tag aber vor allem eines: Das Hören des Schofar. Der Schofar ist das jüdische Horn, geformt aus einem Widderhorn, und wird zu gewissen feierlichen Anlässen, allen voran Rosch Haschana geblasen. Mit dem Schofar wird das neue Jahr eingeläutet, und wie mit Trompeten und Fanfaren einem König, mit dem Schofar G’tt gehuldigt. Die bekannte Geschichte, als Avraham seinen eigenen Sohn Jitzchak G’tt zu opfern bereit war, ereignete sich an Rosch Haschana, und wird zum Feiertag auch aus der Thora gelesen. Da bekanntlich Jitzchak mit einem Widder ersetzt wurde, wird der Schofar heute auch als Symbol für die Hingabe Avrahams aus einem Widderhorn gewonnen. Schofar blasen muss gekonnt sein, es ist nicht einfach als Laie die vorgegebenen Laute, vor allem das lange „Tekiah“ zu produzieren. Geht man in Wien zu Rosch Haschana in die Synagoge, kann es gut passieren, dass man dort sieht wie ein Herr, dem die Ehre des Schofar Blasens zuteilwird, diesen Ton so lange hält bis er rot wie ein Granatapfel angelaufen ist.

Apropos Granatapfel: Diese werden traditionellerweise auch zu Rosch Haschana konsumiert. Die vielen Kerne des Granatapfels können eine große Menge eigener Wohltaten, Fruchtbarkeit oder Wohlstand für das kommende Jahr symbolisieren. Manche essen auch eine Karottensuppe, zu Jiddisch „Zimmes“. Diese isst man, da auf Jiddisch Karotten, ähnlich wie bei unseren deutschen Nachbarn heißen: „Merren“. Das wiederrum klingt wie „mehren“, und soll für das kommende Jahr Programm sein. Im Rahmen der für derartige Feiertage traditionellen Festmahle, taucht man die „Challah“ (ein meist wie ein Zopf geflochtenes Weißbrot) statt in Salz in Honig.

Ein für Rosch Haschana typischer Brauch ist das „Taschlich“ (Wegwerfen der Sünden). Dabei begibt man sich zu einem Gewässer, und entleert darin die Brösel seiner Hosentaschen, um damit, begleitet von einem Gebet, auf symbolische Weise seine Sünden des Vorjahres abzuladen. So bereitet man sich auch schon auf Jom Kippur, den nahenden Tag der Buße vor, und hofft in das „Buch des Lebens“ inskribiert zu werden (dazu mehr demnächst an Jom Kippur). Die Fische in der Donau haben ob der vielen Brösel zwar Grund zur Freude, über einen anderen Umstand sind sie aber wohl weniger glücklich: Zu Rosch Haschana isst man auch Fischköpfe, da diese, wie der Name des Feiertags, den Kopf, oder Beginn des Jahres symbolisieren.

 

Fact: Nicht blinzeln! Obwohl ein kurzer „power nap“, vor allem zu Schabbat, nicht nur erlaubt, sondern sogar erwünscht ist, trifft derartiges heute nicht zu. Man glaubt, dass ein Verhalten, welches man zu Beginn des Jahres zeigt, sich durch das weitere Jahr hindurchziehen wird. Wer zu Rosch Haschanah schläft, so sagt man, wird im weiteren Jahr auch sein Glück verschlafen. Gegrüßt wird zu Rosch Haschana mit „Schana Tova“ („ein gutes Jahr“), oft aber auch auf Jiddisch „A git gebenscht Jor“ („ein gut gesegnetes Jahr“).

JöH, MM