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Schabbat

4. JÄNNER

7. TEWET 5780

Heute ist der vielleicht heiligste Feiertag im gesamten jüdischen Jahr. Wie der höchste Feiertag wöchentlich wiederkehren kann und warum aus jüdischer Sicht die Stadt Wien ein Haushalt ist, erfährst du hier.

 

Bekanntlich erschuf der Allmächtige die Welt in sechs Tagen und ruhte am siebenten. G’tt kreierte Menucha, die Rast, ohne die anhaltende Produktivität unmöglich wäre. Den Schabbat, oder Schabbes, zu ehren indem man ruht und auf Arbeit verzichtet, ist eines der zehn Gebote und ein Kernstück des jüdischen Glaubens. Aus diesem Grund ist auch der beste jüdische Anwalt nur 24/6 zu erreichen.

Man pflegt am frühen Freitagnachmittag die Arbeit niederzulegen und mit den Vorbereitungen für den Feiertag zu beginnen. Man kauft ein, kocht die Speisen für das Festmahl des Abends und auch den folgenden Tag vor, da es am Schabbat verboten ist ein Feuer zu entzünden. Sich selbst und das Haus unterzieht man einer gründlichen Reinigung, und legt sich selbst ein weißes Hemd und der Tafel ein weißes Tischtuch an. Es ist nicht unüblich an einem Freitagnachmittag mit Blumen nachhause zu kommen, um sich für die getroffenen Vorbereitungen zu bedanken und das Heim dem Anlass entsprechend zu verschönern.

Der Eintritt des Schabbats wird mit dem Anzünden von Schabbat-Kerzen begangen. Die Dame des Hauses entzündet sie, und begrüßt mit einem Segensspruch die sprichwörtliche Schabbat-Königin. Oft werden Kerzenständer verwendet die von Generation zu Generation weitergegeben wurden, viele haben als einzige Habseligkeit einer Familie die Shoah überlebt. Das zünden der Kerzen wird gefolgt von einer Kabbalat Schabbat, der Willkommensheißung des Schabbats mit festlichen Gesängen. Man spaziert vom anschließenden G’ttesdienst zu Fuß nach Hause und überlegt sich unterwegs was man während des Schabbat-Mahls zum wöchentlichen Thora-Abschnitt sagen kann. Üblich ist mit dem Lied Shalom Aleichem (Friede sei mit Euch) die Schabbat Engel zu begrüßen und einem zweiten Gesang Eisches Chayil (die tugendhafte Frau) die Dame des Hauses zu würdigen. Nach der Segnung der Kinder wird zuerst ein Segensspruch über den Wein gesprochen, der Kiddusch (die Heiligung), gefolgt von dem Ritual des Händewaschens. Anschließend wird die Challah gesegnet, zwei geflochtene Brotlaibe. Schließlich beginnt das Festmahl, welches in der Regel mit "Gefillte Fisch" und Karpfen eingeleitet wird.

Am folgenden Tag wird eine besondere Lesung aus der Thora vorgenommen. Ist man zu Mittag von der Synagoge zurückgehrt, wartet meist ein seit dem Vortag auf der Wärmeplatte köchelnder Kigel (eine Art Erdäpfelauflauf) und Tscholent (ein Rind- und Bohneneintopf) auf einen. Um zu gewährleisten, dass der Tag der Ruhe richtig begangen wird, sind eine Reihe von Geboten und Verboten zu beachten. So hat man sich etwa festlich zu kleiden, unangenehme Gespräche zu meiden, nicht von Geld oder geschäftlichen Dingen zu sprechen, drei festliche Mahlzeiten einzunehmen und erfreulichen Tätigkeiten, wie Gesang und dem verbringen von Zeit mit der Familie, nachzugehen. Man liest, lernt, diskutiert, schläft, und geht spazieren.

Zu den 39 laut Mischnah am Schabbat verbotenen Handlungen gehören neben dem Arbeiten und entzünden von Feuer etwa auch Schreiben, Backen, das Binden von Knoten, Bauen und Tragen zwischen dem privaten und öffentlichen Raum. Da das entzünden von Feuer verboten ist, geht damit ein Verzicht auf Strom einher. Man sieht nicht fern, hat Ruhe vom Handy, fährt nicht Auto, stiegt nicht in die U-Bahn und nimmt ausnahmsweise die Stiegen. Zu Schabbat verbotene Gegenstände nennt man Mukzeh, sie anzufassen ist verboten. Dies betrifft nicht nur elektrische Geräte, sondern auch etwa Geld. So streng die Gebote des Schabbats sind, so klar ist, dass sie alle im Falle von Pikuach Nefesch, also Lebensgefahr, nicht nur gebrochen werden dürfen sondern müssen.

Um gleichzeitig die Schabbat-Gebote zu ehren und in einem modernen Haushalt, sowie der heutigen Zeit, zurechtzukommen, gibt es freilich eine Reihe von günstigen Auslegungen und abenteuerlichen Apparaten. Das Verbot des Tragens wird umgangen, wenn ein Ort durch einen Eruv, also einen Zaun, als privater Raum abgegrenzt ist. Dies ist in einem großen Teil von Wien der Fall, da die Stadt symbolisch mit einem Draht abgegrenzt wurde und somit einem Haushalt gleicht. Gibt es keinen Eruv bindet man die Hausschlüssel zu einem „Schabbes-Gürtel“ zusammen, um so nicht zu tragen. Das Licht im Haus wird mit einer Zeitschaltuhr an- und ausgedreht, manche haben einen „Schabbes-Aufzug“, ein Lift welcher zum Leidwesen der nichtjüdischen Nachbarn programmiert ist am Schabbat wie ein Paternoster permanent in Betrieb zu sein und in jedem Stockwert stehenzubleiben.

Am Samstagabend wird mit der Hawdallah (Trennung) der Schabbat verabschiedet und die Woche begrüßt. Sobald drei Sterne am Himmel zu sehen sind, wir ein Segenspruch über eine geflochtene Kerze, Wein und ein aromatisches Gewürz gesprochen. Man begrüßt sich nach Hawdallah mit „Shavua Tov“, zu Jiddisch „A git Woch!“.

 

Fact: Traditionellerweise begrüßt man sich zu Schabbat mit den Worten „Schabbat Schalom“ (Schabbat des Friedens). In Wien verwendet man aber meist den jiddischen Begriff „Git Schabbes“ (einen guten Schabbat). Der Tag ist im Judentum derart wichtig, dass „Shomer Schabbat“, also ein „Hüter des Schabbats“ zu sein, oft mit Frömmigkeit gleichgesetzt wird.

JöH, MJM

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